Ein Dorf mit Gemeinsinn

23. März 2010 von  

Hartmut Brackemeyer, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Ledde, dankt Brigitte Jahnke mit Blumen für einen spannenden Blick in die Historie. Anschließend wird im Dorfgemeinschaftshaus darüber diskutiert (kleines Bild).Fotos (2): (Anika Leimbrink) © Westfälische Nachrichten - Alle Rechte vorbehalten 2010

Tecklenburg-Ledde – „Die Vergangenheit ist Geschichte, die Zukunft eine Herausforderung, die Gegenwart ein Geschenk“ – dieses Zitat beschreibt die Entwicklung des kleinen Dorfs Ledde, das in diesem Jahr sein 850-jähriges Bestehen feiert.

Am Freitagabend fand im historischen Ambiente der Dorfkirche die Eröffnungsveranstaltung zum Jubiläumsjahr statt, zu der zahlreiche Besucher gekommen waren. Der Einladung waren auch der Tecklenburger Bürgermeister Stefan Streit und Alt-Bürgermeister Wilfried Brönstrup gefolgt, die in einer kurzen Rede nochmals ihre Eindrücke von Ledde Revue passieren ließen.

Die Vergangenheit, die Entwicklung von einem früher kleinen Teil des Bistums Osnabrück zu einem Dorf mit Charme, Herz, Kreativität und Geschichte sollte an diesem Abend betrachtet werden. Dazu war der Veranstalter, die Interessengemeinschaft Ledde (IGL), an die Historikerin Brigitte Jahnke herangetreten.

Die gebürtige Ledderin nahm sich dieser Aufgabe an. So veranschaulichte sie die Entwicklung anhand von alten Karten, die die frühere Flächenverteilung der ehemaligen Bistümer Münster und Osnabrück darstellten. Sie nannte die verschiedenen Höfe, die auch heute noch bestehen, manche mittlerweile unter der Leitung einer anderen Familie. So bestand der Hof Möllenkamp bereits im 16. Jahrhundert, heißt aber heute Sostmeier.

Auch wies sie daraufhin, dass Ledde schon von Anfang an eine Art Schutz für Tecklenburg gewesen sei. „Ledde hielt der Tecklenburg stets den größten Ärger vom Hals“ erzählte sie lachend, als sie zum Mittelalter kam und dort weiter ausführte, dass Kriegsvölker die Tecklenburg wegen deren guter Absicherung durch die umlagernden Burgen nur sehr schlecht angreifen konnten und sich bei einem Kriegszug zum Leid der Ledderaner in deren Bereich niederließen.

Ebenso führte sie ihre Zuhörer zurück in die Zeit der Reformation, in der nur drei Höfe in Ledde katholischer Religion waren, da sich damals die Religion nach dem Landesherren richtete. Beeindruckend zu dieser Zeit: Der Hof Hachmann war einer dieser Höfe, die ihrer Religion bis heute treu geblieben sind und dafür zu den damaligen Zeiten viele Nachteile in Kauf nahmen.

1707, in der Zeit der Preussen, gab es zahlreiche Auswanderungen. Strenger Militärdienst war einer von vielen Gründen, die so manchen Ledder Bürger zur Flucht ins Ausland veranlassten. Heute finden sich auf der ganzen Welt ehemalige Ledderaner Stämme wieder, so in Indiana in den USA, wo auf einem Friedhof der Grabstein der Tegeler Familie steht. Der heutige Stand der Historikerin liegt bei etwa 300 Auswanderungen.

Dass die Dorfkirche als Veranstaltungsort genommen wurde, hatte seine tieferen Gründe. Brigitte Jahnke erzählte, dass die Kirche und vor allem der spätere Kirchturm den Bürgern von Ledde Schutz und Rückzugsmöglichkeiten geboten haben und dadurch das Gefühl von Verbundenheit und Heimat vermittelte.

Diese Verbundenheit zu ihrer Heimat und das Wesen für die Gemeinschaft zeigte sich auch noch mal in dem abschließenden gemütlichen Ausklang im Dorfgemeischaftshaus, zu dem die Interessengemeinschaft einlud. Zahlreich kamen die Besucher und tauschten viele Erinnerungen aus.

„Ledde – 850 Jahre jung.“ Die Vergangenheit dieses kleinen Dorfes mit soviel Gemeinsinn war an diesem Abend zu einer eindrucksvollen Geschichte geworden. Vor allem durch das Engagement von Brigitte Jahnke.

VON ALINA ECKEY

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Quelle: WN vom 22.03.2010

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